„Warum tust du dir das an“ – Selbsttrigger

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TW: Sui*id, SVV

Ich neige dazu, wenn es mir schlecht geht, unglaublich depressive Musik zu hören. Oder die schlimmsten Filme zu gucken, die ich kenne. z.B. Durchgeknallt, 28 Tage, Remember Me. Das sind meine Triggerfilme. Und mit Abstand auch meine liebsten. Ich kenne die zwei ersteren schon wirklich sehr lange.

Viele andere scheinen Trauer und akute Depressionen ebenso handzuhaben. Als mein Freund sich das Leben genommen hat, habe ich „Hinter dem Horizont“ gesehen, wo es – wenn ich mich recht erinnere – darum ging, dass eine Person, die Sui*id beging, eine „Sünderin“ war. Meine Erzeugerin hat das mitbekommen und mich gefragt, ob ich mir wirklich so etwas anschauen möchte. Ich brauchte das, um mit dem Thema besser umgehen zu können. Und manchmal muss man einfach in ein Loch fallen, um wieder ‚rauszukommen.

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Und auch heute habe ich diese Phasen. Ich brauche manche Filme, um einfach losheulen zu können. Loslassen zu können. Diese Filme deprimieren mich natürlich hochgradig. Aber sie holen mich irgendwie wieder ‚raus.

Wenn es mir richtig richtig richtig schlecht geht, also ich wirklich diese extremen Tiefs habe, wo ich nicht weiß warum es mir grad so geht und dass ich einfach nur tot sein will, mich verletzen möchte, dann gibt es so Tage, wo ich mir irgendwelche Beruhigungsmittel einwerfe, meine „Sadness“ Playlist anwerfe, mich verletze und heule wie sonst was. Manchmal komm‘ ich noch auf allerlei andere komische Ideen, wie Leute anzuschreiben, mit denen ich sonst nicht schreibe oder meinen Dark Twitter Account mit schrecklichen Gedanken vollzuspammen. Manchmal kann ich auch einfach mit niemandem reden.

Viele „gesunde“ Menschen scheint das komplett zu irritieren. Vor allem Leute, die sich sehr schnell Sorgen um andere machen. Ich verstehe das durchaus, aber meistens könnt ihr einfach nichts machen. Tut mir Leid, aber das ist einfach so. ICH (und vermutlich auch andere) brauchen diese „Auszeit“. Wo wir einfach nur in unsere Depression versinken können. Wo wir etwas brauchen, womit wir uns verstanden fühlen. Seien es Filme, Musik oder sonst was. Manchmal helfen Skills (Fähigkeiten, um negative Gefühle abzubauen, z.B. Eiswürfel kauen, kalt duschen, mit einem Gummiringerl aufs Handgelenk schnalzen etc – mehr dazu möchte ich sowieso noch schreiben) halt einfach nicht. Und das ist echt okay.

Ihr braucht euch nicht immer Sorgen machen. Das ist leichter gesagt als getan. Aber Kommentare wie „solltest du dir das grad wirklich anschauen/anhören?“ sind einfach unangebracht. Ich weiß genau was ich mir wann anschauen kann. Sich selbst in bestimmten Situationen zu triggern, um Schlimmeres zu verhindern oder um ‚runterzukommen, ist okay. Früher habe ich mir gern Bilder von Körpern angeschaut, die sich blutend geschnitten haben. Ich habe einen Extra-Ordner am PC dafür, ich habe eine Lesezeichenliste für solche Seiten. Mir hilft das, ob ihr „Gesunden“ das nun glauben wollt oder nicht. Manchmal hilft es einfach nur das Blut (an anderen) zu sehen. Das beruhigt.

Triggerwarnungen sind trotzdem notwendig, weil man sich nicht ständig mit allen möglichen Themen auseinandersetzen kann und will. Ich kann bestimmte Wörter nicht ertragen, bestimmte Lieder („Ave Maria“, „Enjoy the silence“ und „Sound of Silence“ [!!!] triggert mich wie sonst nix) und nicht immer habe ich Löffel (also Energie) für bestimmte Themen. Daher brauchen wir Triggerwarnungen sehr wohl. ABER ich weiß selber wann ich mit etwas umgehen kann und wann nicht. Und was mir in meiner Depression hilft. Was mich ‚rausholt.

Ich habe diese Tage alle paar Monate und ich werde sie weiterhin haben. Meistens geht es mir am nächsten Tag besser. Ich brauche keine belehrenden Kommentare was ICH mir da wieder zumute und ob ich mir das wirklich „antun“ will. Ja, danke, ich kenne mich sehr gut. Ich weiß am besten was ich brauche und was mir hilft. Lasst mich dann einfach in Ruhe.

We almost made it, but making it is overrated.

[Triggerwarnungen] Orange Is The New Black

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Ich habe beschlossen meine Liebe zu Serien in etwas Produktives zu verwandeln. Ich werde künftig vielleicht noch öfter Trigger-Listen für Serien erstellen, vorerst bleibt es ‚mal bei dieser. Wenn euch noch etwas auffällt, sagt mir gern Bescheid.

Größtenteils bleibt die Liste spoilerfrei, aber ganz geht das natürlich nicht. Je mehr Rufzeichen, desto triggernder.

Staffel 4

Folge 1: (Polizei)Gewalt, Menstruation, Mord (!!), Lied „Last Resort“
Folge 2: Rassismus, R*pe Talk
Folge 4: Lesbenfeindlichkeit, Obdachlosigkeit, R*pe Talk
Folge 5: Menstruation, Rassismus, Nationalismus (!)
Folge 6: Rassismus, Alkoholismus, Blut, N-Wort, R*pe (!!)
Folge 7: Nationalismus (!!), Schizophrenie (!!), Obdachlosigkeit, Fat-Shaming, Rassismus, Ableism, Polizeigewalt, Gewalt
Folge 8: B-Wort, SVV, Drogen, Rassismus, Gewalt
Folge 9: Drogen, Entzug (!), Gewalt
Folge 10: Drogen, Folter
Folge 11: Entzug, Gewalt, Sui*id, Rassismus, Schizophrenie, Homofeindlichkeit
Folge 12: Lesbenfeindlichkeit, Transfeindlichkeit (!!), Rassismus (!!), N-Wort, Sexismus, Gewalt, Mord (!!!)
Folge 13: Tod (!!)

Manchmal scheint die Sonne

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Ich wollte euch ein kleines Update zu meinem aktuellen Zustand geben. Ich bin wesentlich motivierter und besser drauf als noch vor einem Jahr. Natürlich habe ich immer wieder sehr schlechte Tage. Aber die guten Tage sind dann wenigstens meistens richtig gut!

Ich habe das erste Mal seit langem wieder Pläne und Ziele. Manche wahrscheinlich gut realisierbar und andere vielleicht nicht. Aber ich glaube, solche Ziele habe ich schon lang gebraucht. Weil mir mein Leben eigentlich ziemlich egal war und teilweise noch ist.

Ich habe einen Aufnahmetermin in der Reha bekommen. Ab dem 23. Mai bin ich also dort, für 6 Wochen. Ich habe mich für eine Reha entschieden, wo ich jeden Tag unter der Woche morgens hinkommen muss und wieder heim fahren kann. Ich denke, dass mir das noch genügend Freiheiten gibt und ich mich dadurch nicht fühle, als würde ich etwas von meinem Leben verpassen. :) Außerdem komme ich dadurch zu der Routine jeden Tag rauszugehen. Ich hoffe nur, dass ich das schaffe, denn ich darf nicht mehr als 3 Tage fehlen.

In der Reha gibt es Ergo-, Physio- und auch Gesprächstherapien. Einzel- und Gruppengespräche. Ich wurde in die Angstgruppe gesteckt, bin also mit Leuten zusammen, die ungefähr unter ähnlichen Symptomen „leiden“ wie ich. Die Angst (allein rauszugehen, Dinge zu erledigen, zu telefonieren, etc.) ist derzeit auch das größte Problem in meinem Leben. Ich bin sehr gespannt, aber natürlich auch aufgeregt und nervös. Ich hoffe, das Ganze kann mir zumindest ein wenig helfen. Gut ist auch, dass ich endlich „gezwungen“ bin ein Blutbild machen zu lassen. In der Zeit soll ich übrigens nicht zu meiner Therapeutin gehen, weil das „zu viel“ wäre. Alles klar.

Ich bin froh, dass die Reha so bald anfängt. Denn ich bin auch für ein Arbeitstraining (für psychisch Kranke) auf der Warteliste. Da sollte ich ungefähr im Herbst reinkommen. So geht sich alles ganz gut aus.

Ich habe zudem erkannt was mein wirklicher Traumberuf ist und schon immer war: Psychotherapeutin. Diesen würde ich im Laufe des Arbeitstrainings dann äußern und auch angehen wollen. Ich wollte jetzt schon ziemlich lang Sozialarbeiterin werden, aber ich glaube, das wollte ich nur machen, weil es einfacher zu erlernen/erreichen ist als das, was ich wirklich möchte. Meine Mutter hat mir mit 15 gesagt, dass ich meinen Traumberuf vergessen kann, weil ich selber „so gestört“ bin. Und ich habe mich eigentlich auch immer zu unfähig dafür gefühlt zu studieren. Jetzt müsste ich halt erstmal die Berufsmatura machen. Um dann endlich Psychologie studieren zu können. :) Es wird alles so ewig lang dauern, deswegen bin ich mir unsicher ob ich die Ausdauer dafür habe. Aber ich habe richtig Lust darauf zu lernen, sogar schon für die Matura. Und Psychologie ist etwas, was mich einfach nicht langweilen würde, denke ich. Zu 100% kann man das natürlich nicht sagen, aber: ICH HAB‘ SO BOCK DRAUF! Drückt mir die Daumen, dass alles klappt.

Und falls es doch nicht klappen oder das Richtige für mich sein sollte, dann ist das eben so. Die Berufsmatura allein würde mir schon viele Möglichkeiten bieten. Und wenn ich es auch nur eine Weile schaffe Psychologie zu studieren, dann habe ich ja trotzdem schon viel gelernt. Aber ich glaube, dass das das (!) ist, was ich schon immer werden wollte. Und immer sein möchte. Ich denke, ich kann das.

Das Nova Rock als Antifaschistin

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CN: Sexualisierte Gewalt, Interfeindlichkeit, Homofeindlichkeit, Rassismus

2009 war mein erstes Nova Rock. Da war ich 19 Jahre alt. Und seitdem fühle ich mich schon zu alt für Festivals. Warum ich sie mir immer wieder antue weiß ich selber nicht so genau, für mich zählt bei einem Festival nämlich nur eins: die Musik.

Andere gehen auf Festivals um zu saufen, um Party zu machen, um Leute zu treffen oder einfach um ‚mal so richtig das Arschloch ‚raushängen zu lassen. Das ist auch bis zu einem gewissen Grad echt in Ordnung. So lang man damit keine anderen Menschen verletzt oder zu sehr nervt. So kann ich über laute Musik nachts gut hinweg sehen, auch darüber dass Leute sich selbst im Schlamm wälzen. Not my thing, but go for it. Wenn Leute auf fremde Zelte pinkeln, Menschen anfassen und belästigen, die sie nicht anfassen sollten, Leute im Vorbeigehen anbrüllen, ihren GESAMTEN Müll überall hinwerfen, obwohl sie einen Müllsack bekommen… das ist für mich einfach nicht verständlich. Nennt mich spießig, aber meine Mitmenschen und die Natur sind mir zu wichtig, um diesen Scheiß mitzumachen.

Aber nun gut, es geht mir hier ja jetzt um etwas anderes. Letztes Jahr war ich eigentlich schon recht sensibel was Faschismus, Lookism, Ableism, etc. betrifft. Ich sehe wo keine Barrierefreiheit ist (nicht überall, weil ich nicht betroffen bin, aber doch sehe ich, dass Klos z.B. nicht für alle zugänglich sind). Ich sehe faschistische Flaggen. Ich sehe Menschen mit politisch fragwürdigen Tattoos. Ich höre Leute, die abwertend über andere reden, weil sie „dick“, „hässlich“, „zu freizügig“, „zu wenig freizügig“, etc. sind. Und es stört mich. Klar, es ist am Nova Rock nicht anders als sonst wo. Aber es fällt irgendwie stärker auf, weil doch auf einem recht kleinen Gelände zu viele Menschen sind.

Am ersten Tag kamen wir zu zweit an und saßen erstmal stundenlang bei Typen, die erst Frei.Wild, dann Onkelz und dann sogar Landser gehört haben. Zwischendurch gab’s immer wieder Die Hinichen und Fendrich mit „Blond“. Es. war. die. Hölle. In der Nähe gab es eine Frei.Wild Flagge. Der Kommentar von einem Bekannten dazu war nur: „Die hören zwar jetzt Landser, aber das ist nicht ernst gemeint.“
I’m fucking sorry, aber Landser hört MAN NICHT EINFACH SO. Landser hört man nicht ironisch. Nein. Einfach nur nein.
Als hätte das nicht gereicht fielen zahlreiche sexistische & transfeindliche Kommentare. Aber darauf war ich immerhin vorbereitet. Dass jemand, bei dem ich mich aufhalte, ernsthaft Landser hört, hat mich so zutiefst schockiert. Das musste ich echt erstmal verarbeiten. (Auch Onkelz und VOR ALLEM Frei.Wild war wirklich extrem problematisch für mich.)

Nun, nachdem dann langsam unsere Sachen mit einem anderen Auto eintrudelten, konnte ich mich gleich bei meiner besten Freundin aufregen. Danach ging’s auch schon ab zu den Guano Apes. Am Abend gab’s noch Beatsteaks und Scooter. Somit war auch wieder alles halbwegs in Ordnung. Ich hatte hier auch immer männliche Begleitung, somit 1. weniger Angst und 2. tatsächliche Sicherheit. Wir wurden zwar einige Male angesprochen, aber das war eher wegen meiner betrunkenen Begleitung und ich fand es eigentlich ganz lustig. (: (Wenn meine Begleitung das jetzt liest: nein, ich wollte dich wirklich nicht nur als Sicherheit, sondern vor allem auch weil ich dich mag! ;P)

So, erste Nacht war dann schnell überstanden. War das erste Mal, dass ich wirklich bequem auf einem Festival geschlafen habe, da ich diesmal eine Isomatte hatte! :D Im Zelt wurde es um 7 dann schon recht heiß, also kroch ich irgendwann ‚raus, meine beste Freundin war schon wach. Erstmal gab’s Kaffeeeeeee. Als die Jungs wach waren, sind wir zu einer nahen Raststätte zum Duschen gefahren. 3 € und man fühlt sich danach wie… neu geboren. Falls man sich da überhaupt gut fühlt.

Nach der Dusche haben wir noch ein bisschen bei unserem Zelt rumgegammelt und danach bin ich ganz allein :‘) zur Red Stage gegangen, um meinen Exfreund bei Callejon zu treffen. Wir haben dann zusammen noch Asking Alexandria und Epica geschaut und danach bin ich zu Kraftklub gegangen. Auch wieder ganz allein. Warum ich das so betone? Weil mir tatsächlich ‚mal nichts passiert ist. Normalerweise, wenn ich nur KURZ allein war, haben mich mindestens 2 Typen belästigt, aber diesmal hat mich niemand angequatscht und ich hatte meine Ruhe. Ich muss dazu sagen, dass ich mich diesmal auch anders als auf den vorherigen Festivals verhalten habe. Und zwar habe ich alle Typen, die versucht haben meine Aufmerksamkeit zu bekommen, sei es durch vor meiner Nase rumhüpfen oder nerviges „Heh, heh! Heh duu!“ Gequatsche, komplett ignoriert. Ich habe so getan als wären sie gar nicht da. Und nach kurzer Zeit haben sie aufgegeben. Leider funktioniert das nicht immer und ganz sicher nicht für alle, aber ich finde, man darf Typen einfach keine Aufmerksamkeit schenken. Sie bekommen zu viel, sie sind es gewöhnt, dass man reagiert. Sie einfach zu ignorieren schockiert sie manchmal regelrecht, sodass sie das Interesse verlieren. Wie gesagt, funktioniert LEIDER nicht immer (wahrscheinlich sogar eher selten) und nicht jeder_m ist das möglich, aber für mich hat es diesmal prima geklappt und ich denke, ich werde das auch im Alltag so durchziehen.

Bei Papa Roach hat es dann fürchterlich zu regnen angefangen, ich war völlig durchnässt, nach Fanta 4 habe ich mich umgezogen und konnte dann wieder trocken und alleine zu In Flames. Es war wundervoll. Nightwish danach waren hingegen echt schlecht. Da hat es mich nachher nicht gewundert, dass so wenig Leute dort waren, ich hatte es bis in die 3. Reihe oder so geschafft. Und kurz nachdem ich gegangen bin haben sie dann endlich ein Lied gespielt, das ich kannte und mochte… -.- Und als ich in meinem Zelt lag erklangen auch schon die Töne von „Ghost Love Score“. Da war ich dann nur mehr kurz vorm Heulen, because Lieblingslied. Aber darüber komme ich schon hinweg. Irgendwann.

Am dritten Tag hat meine Freundin, mit der ich angekommen bin, wieder zu uns gefunden und musste leider feststellen, dass es bei uns nur ein klein wenig besser war als bei „ihren“ Leuten, denn auch wir hatten einen sexistischen, trans-, inter- und homofeindlichen Typ bei uns. Unter anderem fiel der Spruch „Ich find‘ den Islam ja gut, die machen’s richtig, da ist die Frau noch dort wo sie hingehört! Und wenn alle Frauen eine Burka tragen, dann quatscht auch niemand deine Freundin an“ (so ungefähr) … wobei ich hier eher hoffe, dass das Sarkasmus war. Lachen konnte ich trotzdem nicht. Genauso schlimm war dann (das war nämlich ernst gemeint): „bei EUCH ist ja Partner_innentausch normal, oder? Also Betrügen und so, häufiger Partner_innenwechsel“ mit Blick auf lesbische Freundin. Das war dann der Moment, wo ich echt nicht mehr die Klappe halten konnte, genauso wie meine Freundin, die sich vehement gegen diese Unterstellung gewehrt hat. Später erzählte der Typ dann, dass alle seine Freundinnen ihn betrogen hätten, worauf ich meine Chance auf Rache sah. „Ja, das ist bei Heteros normal, die wechseln ja häufig ihre Partner_innen, die betrügen immer alle.“ Das hat er aber nicht verstanden. >:(
Na ja, das und vieles mehr musste ich ertragen. Ich hab‘ es größtenteils hingenommen, weil ich weiß wann es unmöglich ist zu diskutieren und was man noch retten könnte. z.B. habe ich es glaube ich geschafft ihm den Begriff „Zw*tter“ auszutreiben. Da war ich nämlich ziemlich nachdrücklich und lästig. Aber das ganze Nova Rock über zu diskutieren, dafür fehlte mir ehrlich gesagt die Kraft.

Auf Twitter war ich nebenbei auch immer wieder und habe gesehen, dass es eine Reichskriegsflagge am Platz gab, scheinbar wurde der Besitzer sogar gewalttätig, aber die Securities wollten nichts dagegen unternehmen. Es gab auch mehrere Österreich Fahnen und sehr sehr viele Frei.Wild Fans. Letztes Jahr sind auch Leute mit Tattoos der Schwarzen Sonne ungeniert ‚rumgelaufen, solche sind mir dieses Jahr kaum aufgefallen. Am letzten Tag begleitete ich meine Freundin zu den Klos und wartete neben den Waschbecken auf sie. Da griff mir ein Klo“security“ auf die Schultern und laberte irgendwas (es hatte nix mit Security zu tun), worauf ich nicht reagierte. Kurz danach griff mir ein anderer Securitytyp an den Arsch, worauf ich mich umdrehte und ihn fragte „Was soll die Scheiße?“. Der andere versuchte sich für den Kerl zu entschuldigen, aber nicht ernsthaft, sondern so auf „lustig“ und da ich das gar nicht witzig fand und Angst hatte, ging ich weg. Danach fühlte ich mich eklig und gab mir erstmal selbst wieder die Schuld, da ich vergessen hatte, dass diese Typen Nummern haben und ich nicht darauf geachtet hatte. Später bekam ich die Chance ihn nochmal zu sehen und notierte mir die Nummer. Das Traurige daran ist, dass ich genau weiß, dass eine Beschwerde nichts bringen wird und der Typ vielleicht sowieso nur dieses Jahr angestellt sein sollte, aber ich werde das trotzdem nicht hinnehmen und mich beschweren. Da war ich so froh, dass mich kaum jemand belästigt hatte und dann am letzten Tag tut es das Personal. Unfassbar.

So ganz allgemein habe ich das Gefühl, dass Faschos ungenierter auftreten als noch vor ein paar Jahren. Dadurch, dass immer mehr braune Scheiße toleriert wird, gehen sie einfach immer ein Stückchen weiter. Und weiter. Eine Reichskriegsflagge tolerieren führt zu mehr Reichskriegsflaggen. Mehr Faschos. Is‘ ja alles kein Ding. Tun ja niemandem ‚was. Irgendwann vielleicht Flaggen mit Hakenkreuz. Auch kein Ding. Ist ja nur ’ne Flagge. Kann man nix dagegen tun.

Ich find’s scheiße, dass der Veranstalter es nicht auf die Reihe kriegt solche Leute konsequent fernzuhalten. Wenn man schon von Leuten darauf aufmerksam gemacht wird, gehört die Flagge entfernt und ggf. auch die Menschen vom Platz verwiesen, ganz einfach. Das ist doch ein Witz, dass so viele antifaschistische Bands (Kraftklub, Deichkind, Jennifer Rostock, Antilopen Gang, Feine Sahne Fischfilet, Callejon, Fanta 4, DTH, Farin Urlaub und mehr) eingeladen werden und dann nichts gegen Faschismus unternommen wird, vor allem wenn er so offensichtlich ist! Was soll noch alles toleriert und ignoriert werden? Kommen nächstes Jahr Frei.Wild aufs Nova Rock, weil man versucht mehr auf deren Fans zuzugehen? Auch finde ich es beschissen von Feine Sahne Fischfilet und Antilopen Gang nicht darauf aufmerksam zu machen oder selbst etwas dagegen zu unternehmen. Auf Twitter wurden sie extra darauf angesprochen und es kam keinerlei Reaktion. Nach dem neuesten Bullshit der Bands wundert mich das aber auch nicht mehr sonderlich. Es regt nur auf. Ich wünsche mir mehr Aktion von angeblich antifaschistischen Bands. Mehr tatsächliches Tun als immer nur reden. Und ich wünsche mir zumindest ein halbwegs sicheres Nova Rock. Wo ich mir sicher bin, dass Übergriffe ernst genommen werden. Wo man keine Angst haben muss mit antifaschistischen Symbolen, Taschen oder Shirts rumzulaufen. Denn das habe ich mich nicht getraut.

Trying my best not to forget.

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TW: SUI

Ich habe hier vor einiger Zeit gepostet welche Medikamente ich von meinem Arzt gegen meine Depressionen und Angststörungen bekomme und wie sich die auf mich auswirken. Da mich jetzt wieder jemand nach Nebenwirkungen gefragt hat und ich grad wieder 4 Tage ohne auskommen musste, wird es Zeit mich dazu nochmal zu äußern.

Also momentan nehme ich Cymbalta (1x morgens) und Trittico 75mg (1x abends). Die Trittico habe ich erst vor kurzem etwas (eigenständig) ‚runtergesetzt. Ich habe davor 150mg genommen, aber wachte morgens auf und fühlte mich als hätte ich am Vortag getrunken oder als wäre ich auf Drogen. Außerdem hat mich die Müdigkeit echt fertig gemacht. Ich habe das gestern mit meinem Arzt besprochen, er meinte, ich solle einfach 1/3 von den 150mg nehmen (man kann Trittico dritteln), aber ich komme mit 75mg bisher gut zurecht.

Wenn ich die Trittico abends vergesse oder eine Nacht durchmache, bin ich am nächsten Tag nervös und hibbelig. Wenn ich dann z.B. tagsüber schlafen wollen würde, ginge es schlichtweg nicht, da ich dann nicht aufhören kann mit den Füßen zu wackeln. Das versuche ich so oft es geht zu vermeiden.

Von den Cymbalta war ich jetzt vier Tage ‚runter. Kurz zuvor hatte ich bemerkt wie es mir emotional wesentlich besser ging und dass ich mehr Motivation hatte. So gut wie in den letzten Wochen ging es mir vermutlich lang nicht mehr und das viele Schreiben hier ist wohl mitunter dafür verantwortlich. Auch das positive Feedback hat mir unglaublich gut getan.

Die ersten drei Tage ohne Cymbalta waren nicht so schlimm, zumindest ist mir erst kein Zusammenhang zwischen meinem (physischen) Befinden und dem Entzug aufgefallen. Ich hatte schreckliche, richtig diabolische Bauchschmerzen. Mir wurde auch so übel, dass ich wirklich dachte, ich müsse mich übergeben und dieses Gefühl habe ich wirklich selten. Die Bauchschmerzen gingen nur durch Parkemed weg. Auch Kopfschmerzen kamen zwischendurch dazu. In der Nacht fing ich an wahnsinnig zu schwitzen. Das passiert mir sonst nur, wenn ich meine Tage bekomme. Ich wachte also jeden Morgen pitschnass (!) auf – trotz offenem Fenster -, deswegen entschied ich mich heute Nacht nur mit Bettwäschenüberzug zu schlafen. Nach jedem einzelnen Albtraum wachte ich schweißgebadet auf und fror dementsprechend (weil nass). Die Nacht war die schlimmste, weil ich immer wieder meinen Partner aufwecken musste, da es mir sonst nicht möglich war mich aufzuwärmen. Psychisch war aber so prinzipiell alles recht in Ordnung.

Heute ist der fünfte Tag bzw. der erste, wo ich Cymbalta endlich wieder nehme. Der Morgen fing damit an, dass ich Suizidgedanken hatte und gar nicht erst aufstehen wollte. Auch heute hatte ich wieder Bauchschmerzen und Übelkeit. Die Übelkeit verstärkte sich, nachdem ich ca. um 2 meine erste Zigarette rauchte. Da fing auch meine Psyche an verrückt zu spielen. Ich legte mich hin, vollständig mit Decke und Hoodie verhüllt, aus Panik, aus Unwohlsein. Wollte schlafen, um dieses Gefühl loszuwerden. Um mich nicht den ganzen Tag so fühlen zu müssen. Dachte kurz darüber nach mich selbst zu verletzen, zu weinen, aber es wäre zu anstrengend gewesen. Ich schrieb eine einzige SMS an meinen Partner. Das ist auch das einzige was ich in dieser Situation herausbringe. „Es geht mir extrem schlecht.“ Er schrieb zurück, aber ich schaffte es nicht mehr zu antworten.

Jetzt sitze ich hier, fühle mich ekelhaft, weil ich es nicht schaffe duschen zu gehen, mir die Haare endlich zu färben… oder wenigstens zu waschen. Obwohl ich genau weiß, dass ich morgen ‚raus muss und mich dann mit fettigen Haaren unwohl fühle. Ich überlege schon länger No Wash Only Sebum auszuprobieren und ich glaube, ich bin wirklich bereit dafür… Allein weil ich oft zu kaputt bin für diese Körperhygiene.

Ich hoffe, das Cymbalta schlägt schnell wieder an, aber ich sehe mich am Ende des Monats wieder in derselben Situation, weil es nicht möglich ist zwei Packungen zu bekommen und ich damit nicht umgehen kann jeden Monat zum Arzt zu müssen.

Edit 22.05.:
Heute Nacht habe ich nicht geschwitzt, keine schlimmen Albträume gehabt und auch sonst geht’s mir wesentlich besser als gestern. Ein bisschen schlecht ist mir nach wie vor, aber das könnte auch an vielen anderen Dingen liegen. Ich empfehle immer genug zu trinken und auch zu essen, wenn man Medikamente nimmt, weil man sich sonst einfach doppelt schlecht fühlt, kommt mir vor…

Nennenswerte Nebenwirkungen von Cymbalta und Trittico gibt es übrigens sonst (bei mir!) nicht. Die Müdigkeit war teilweise überwältigend und hat mich stark beeinträchtigt, aber nachdem ich auf 75mg gegangen bin, ist sie kaum mehr vorhanden. Meine Erfahrungen sind wie gesagt auch nur MEINE Erfahrungen, daher kann es bei jemand anderem sehr wohl zu (starken) Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen.