Borderline #2 – Instabile Beziehungen

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Ich weiß nach wie vor nicht wo und wie ich anfangen soll. Es gibt so viel zu Borderline zu erzählen, dass es schwer ist das Ganze zu strukturieren.

Vorerst möchte ich noch einmal betonen: ich bin Betroffene. Ich bin keine Medizinerin. Ich habe mich viel mit dieser Krankheit beschäftigt, aber ich weiß nicht alles und kann auch nicht für andere Betroffene sprechen.

Die Frage nach “Heilung” kam auf und die möchte ich schon einmal vorweg klären. Es gibt keine richtige Heilung für diese (und wohl auch andere) Persönlichkeitsstörung. Sie entwickelt sich irgendwann und ist dann einfach da. Sie ist mit Medikamenten und Gesprächstherapie (Selbstreflektion ist auch nicht unwichtig) allerdings gut in den Griff zu bekommen, sofern die Diagnose richtig gestellt wurde. Ohne diese beiden Faktoren ist es schwierig mit der Störung zu leben.

Kurz zu mir: Borderline wurde bei mir erst 2015 in der Psychiatrie diagnostiziert. Ich hatte die ersten Anzeichen allerdings schon in meiner frühen Kindheit. In der Volksschule – also ungefähr im Alter von 6 – waren Wutausbrüche für mich völlig normal. Ich habe mich mit vielen anderen Kindern wegen Kleinigkeiten geprügelt, einem Kind habe ich einen Stein hinterher geworfen. Ich habe Autoritätspersonen angebrüllt und beschimpft, versuchte wegzulaufen und äußerte mehrmals sterben zu wollen. Unter 18 werden Persönlichkeitsstörungen nicht offiziell diagnostiziert, es wird dann “Entwicklungsstörung” genannt. Ich war trotz der häufigen Anfälle – auch zu Hause – bis zu meinem 19. Lebensjahr nie in Behandlung oder auch nur bei einer Art Schulpsycholog_in.

Ich kann nicht mehr genau sagen welche Symptome bei mir als erstes auftraten oder am heftigsten. Ich fange deshalb mit dem Symptom an, zu dem die meisten Fragen von euch kamen.

Instabile und intensive zwischenmenschliche Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet wird

Dieses Symptom zieht sich durch sämtliche Beziehungen, die ich habe. Freund_innenschaften, Bekanntschaften, Familie, Lehrer_innen, Ärzt_innen und am meisten natürlich bei romantischen Beziehungen.

Wie lernst du neue Leute kennen?
Wie andere Menschen auch. Ich rede mit ihnen. Ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich krank bin und ehrlich gesagt sind immer alle interessiert daran. Und natürlich ist meine Krankheit nicht mein einziges Gesprächsthema. Es fällt aber alles in meinem Lebensbereich darauf zurück, z.B. dass ich aktuell keinen Job habe, welche Hobbies ich ausübe, wie ich meinen Haushalt führe. Deshalb kommt es eben irgendwann zur Sprache. Ich habe aber im Prinzip kein Problem damit neue Leute kennenzulernen. Es ist aber sehr situationsabhängig und kommt auf die Menschen an.

Wie funktionieren Freund_innenschaften mit Borderliner_innen?
Gut, sofern sich alle Beteiligten der Situation bewusst sind und Rücksicht aufeinander nehmen. Ich weiß, dass viele meiner Eigenheiten schwierig für andere zu verstehen und zu akzeptieren sind, aber alle wissen wie sehr ich mich bemühe. Bei mir kommt noch die Agoraphobie dazu (Angst das Haus zu verlassen), was sehr einschränkend sein kann. Meine Freund_innen wissen allerdings davon und kommen mir immer entgegen. Wir reden über alles sehr offen, über Eifersucht, Leere, Verzweiflung und sonstige Probleme. Es ist extrem wichtig, dass man ehrlich zueinander sein kann und auch ausspricht, wenn man grad etwas nicht schafft oder Hilfe braucht. In meinem engsten Freund_innenkreis ist meine Krankheit aber kaum ein Problem, weil wir alle sehr gut miteinander harmonieren.

Wie funktionieren Freund_innenschaften UNTER mehreren Borderliner_innen?
Ich kenne nur ganz wenig andere Borderliner_innen persönlich. Die Diagnose wird ja auch nicht so einfach gestellt…
Beziehungen unter Borderliner_innen sind möglich, wenn beide an sich arbeiten und sich in Behandlung finden. So ähnlich ist das auch mit Freund_innenschaften. Um ganz ehrlich zu sein, ist es mir sogar ganz recht, dass viele meiner Freund_innen Erfahrung mit psychischen Krankheiten haben. Sie sind dadurch verständnisvoller. Und andere Borderline Betroffene in meinem Umfeld geben mir das Gefühl nicht allein zu sein. Ich kann besser verstehen was ich aufgrund der Krankheit mache und dass ich vielleicht nicht so ein grauenhafter Mensch bin wie ich mich manchmal fühle. Zusätzlich habe ich jetzt schon sehr viel Erfahrung, bin die meiste Zeit recht stabil und kann deshalb viel von meinem Wissen weitergeben. Man kann mit Betroffenen einfach ganz anders reden als mit Unbetroffenen. Manchmal ist es aber leider auch so als würde man in einen Spiegel schauen und man sieht andere die Fehler machen, die man selbst gemacht hat oder immer noch macht.

Wie funktionieren (romantische) Beziehungen mit Borderliner_innen?
Nun, ein Symptom kann ja auch “Impulsivität in selbstschädigenden Bereichen” sein, worunter z.B. Promiskuität fällt. Wenn es mir schlecht ging, gab es also Selbstverletzung, Alkohol- und Substanzmissbrauch oder eben Sex, wobei letzteres das am wenigsten Schädliche ist – zumindest bei safer sex. Vermutlich ist das auch eine Möglichkeit mit dem schwankenden Selbstbewusstsein klarzukommen.

Feste Beziehungen wiederum sind extrem schwierig. Voraussetzung ist absolutes Verständnis und Respekt für die Krankheit. Ich bin mit einem sehr stabilen Menschen zusammen, der mir kompletten Rückhalt gibt und mich in allen Bereichen so gut es geht unterstützt. Das war nicht immer so und Beziehungen können anstrengend und auch gewalttätig werden, vor allem wenn die psychisch kranke Person nicht in Behandlung ist. Ich neige dazu sehr verletzende Dinge zu sagen, wenn ich verärgert bin und das ist nicht leicht für andere. Das hat sich in den letzten Jahren zwar stetig gebessert, aber es passiert immer noch. Ich entschuldige mich dann immer, aber der Schaden ist nun einmal angerichtet. Das kann auch noch zu psychischen Problemen bei Partner_innen führen. In meinem Umfeld wissen aber alle, dass ich daran arbeite und manchmal gar nichts dagegen tun kann. Es ist, als würde ich explodieren, wenn ich diese Dinge nicht ausspreche. Es ist dann wirklich körperlich unerträglich.
(Von Trennungen schreibe ich in einem anderen Beitrag, da das besser zu einem anderen Symptom passt.)

Gefühle sind ja generell sehr extrem bei Borderliner_innen. Beim Verlieben sind sie daher auch unglaublich heftig, eigentlich überwältigend. Diese Gefühle lassen mit der Zeit stark nach. Meistens passiert das deswegen, weil man beim Verlieben die Person idealisiert und kaum Fehler finden kann. Dann sagt oder tut das Gegenüber etwas “Falsches” und man entwertet ihn_sie komplett. Das gehört wohl zu dem Schwarz/Weiß-Denken (jemand ist entweder böse oder gut). In so einem Fall kann es passieren, dass man von Borderliner_innen zurückgewiesen oder ignoriert wird. Das ist für viele Angehörige verständlicherweise das Schlimmste. Mit der Zeit habe ich allerdings gelernt andere nicht sofort wegen Kleinigkeiten zu verurteilen. Aber es ist nach wie vor viel Arbeit für mich.

Wie geht man nun mit solchen Situationen um?
Schwer das pauschal zu sagen. Wenn ich Wutanfälle habe, hilft es nicht, mich anzuschreien oder mich zu provozieren. Am besten ist es normal mit mir zu reden – nicht gezwungen ruhig oder eben sehr laut -, zu sagen „Ich verstehe dich“ und erstmal zuzuhören was mich grad so aufregt. Die Wut wird sonst nur stärker und ich verliere die Kontrolle. Wir haben uns in unserer Beziehung angewöhnt immer wieder in Ruhe Gespräche zusammen zu führen über alles was in letzter Zeit gut, aber auch schlecht war. Über die letzten Streits, unsere großen Konfliktpunkte, etc. Das empfehle ich generell allen Pärchen, bei uns ist es aber absolut notwendig. Nur so kann mein Partner wissen was ich in bestimmten Situationen brauche und möchte. In Notfällen: fragt nach. “Brauchst du Essen? Brauchst du Trinken? Brauchst du Nähe? Brauchst du Ruhe?” Diese Fragen wirken simpel, aber sie sind effektiv und reichen völlig. Klar kommt es vor, dass ich mal nicht weiß was ich grad brauche, aber es ist leichter auf diese Fragen zu antworten als selbstständig um Hilfe zu bitten.

Habt Verständnis, seid Betroffenen nicht allzu böse. Vieles lässt sich schwer kontrollieren, auch wenn man ständig daran arbeitet. Ich erwarte nicht, dass man mir alles verzeiht, aber nehmt ein wenig Rücksicht. Mit dieser Krankheit zu leben ist nicht einfach und das bloße Überleben raubt mir manchmal die komplette Energie.

Habt ihr noch Fragen zu dem Thema/Symptom?

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Borderline #1 – Allgemein

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CW: Sui*id, SVV

Ich fragte vor einiger (langer langer) Zeit auf Facebook was meine Freund_innen am meisten an Borderline interessieren würde. Ich bekam nicht viele (genaue) Antworten und weiß deshalb nicht genau wie ich das Ganze strukturieren soll. Ich werde jedenfalls eine Blogreihe zu der Thematik machen und würde mich freuen, wenn ihr dazu Fragen stellt.

Vorweg: ich spreche für MICH selbst. Es gibt vieles, das natürlich auch bei anderen Betroffenen so ist, aber sicherlich nicht bei allen. Jede_r Borderliner_in hat im Prinzip dieselben oder ähnliche Probleme, aber unterschiedlich ausgeprägt. Außerdem ist es schwierig die Symptome von meiner eigenen Persönlichkeit zu „trennen“. Ich weiß nicht immer was ich wegen der Krankheit mache und was ich mache, weil ich einfach… ich bin.

Anfangen möchte ich mit der Definition der Krankheit, da einige vielleicht noch gar nichts über diese Persönlichkeitsstörung wissen.

Die Borderline Persönlichkeitsstörung wird auch als emotional instabile Persönlichkeitsstörung bezeichnet. Sie ist gekennzeichnet durch Impulsivität und Instabilität, vor allem in Bezug auf sämtliche zwischenmenschliche Beziehungen (Familie, Freund_innenschaften, Ärzt_innen, etc.). Borderliner_innen handeln oft sehr paradox und widersprüchlich und haben extrem verstärkte Gefühle (negative und positive). Es ist ziemlich schwierig für Ärzt_innen diese Störung zu diagnostizieren, weil Borderliner_innen Symptome haben, die durchaus auch bei anderen psychischen Krankheiten vorkommen können (Depressionen, Dissoziative Identitätsstörung, …).

Mindestens fünf der folgenden Symptome müssen erfüllt sein, um als Borderliner_in zu gelten:

  1. Hektisches Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden. (Beachte: Hier werden keine suizidalen oder selbstverletzenden Handlungen berücksichtigt, die in Kriterium 5 enthalten sind.)
  2. Ein Muster instabiler und intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist.
  3. Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung.
  4. Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen (z. B. Geldausgaben, Sexualität, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren, „Essanfälle“). (Beachte: Hier werden keine suizidalen oder selbstverletzenden Handlungen berücksichtigt, die in Kriterium 5 enthalten sind.)
  5. Wiederholte suizidale Handlungen, Suizidandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten.
  6. Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung (z. B. hochgradige episodische Misslaunigkeit (Dysphorie), Reizbarkeit oder Angst, wobei diese Verstimmungen gewöhnlich einige Stunden und nur selten mehr als einige Tage andauern).
  7. Chronische Gefühle von Leere.
  8. Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren (z. B. häufige Wutausbrüche, andauernde Wut, wiederholte körperliche Auseinandersetzungen).
  9. Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.

(Quelle: Wikipedia)

Ich würde gerne zu jedem der Symptome einen Beitrag machen, falls das Interesse vorhanden ist. Und erzählen wie das bei mir so ist, woran ich das bemerke und wie ich damit umgehe. Ich möchte vor allem auch die vielen Fragen beantworten, die mir zunehmend privat gestellt werden, da sich viele Angehörige an mich wenden. Ich liebe es mit euch darüber zu reden, aber ich würde das gern besser strukturieren, damit ich nichts Wichtiges vergesse.

Also, her mit euren Fragen!

 

„Warum tust du dir das an“ – Selbsttrigger

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TW: Sui*id, SVV

Ich neige dazu, wenn es mir schlecht geht, unglaublich depressive Musik zu hören. Oder die schlimmsten Filme zu gucken, die ich kenne. z.B. Durchgeknallt, 28 Tage, Remember Me. Das sind meine Triggerfilme. Und mit Abstand auch meine liebsten. Ich kenne die zwei ersteren schon wirklich sehr lange.

Viele andere scheinen Trauer und akute Depressionen ebenso handzuhaben. Als mein Freund sich das Leben genommen hat, habe ich „Hinter dem Horizont“ gesehen, wo es – wenn ich mich recht erinnere – darum ging, dass eine Person, die Sui*id beging, eine „Sünderin“ war. Meine Erzeugerin hat das mitbekommen und mich gefragt, ob ich mir wirklich so etwas anschauen möchte. Ich brauchte das, um mit dem Thema besser umgehen zu können. Und manchmal muss man einfach in ein Loch fallen, um wieder ‚rauszukommen.

giphy

Und auch heute habe ich diese Phasen. Ich brauche manche Filme, um einfach losheulen zu können. Loslassen zu können. Diese Filme deprimieren mich natürlich hochgradig. Aber sie holen mich irgendwie wieder ‚raus.

Wenn es mir richtig richtig richtig schlecht geht, also ich wirklich diese extremen Tiefs habe, wo ich nicht weiß warum es mir grad so geht und dass ich einfach nur tot sein will, mich verletzen möchte, dann gibt es so Tage, wo ich mir irgendwelche Beruhigungsmittel einwerfe, meine „Sadness“ Playlist anwerfe, mich verletze und heule wie sonst was. Manchmal komm‘ ich noch auf allerlei andere komische Ideen, wie Leute anzuschreiben, mit denen ich sonst nicht schreibe oder meinen Dark Twitter Account mit schrecklichen Gedanken vollzuspammen. Manchmal kann ich auch einfach mit niemandem reden.

Viele „gesunde“ Menschen scheint das komplett zu irritieren. Vor allem Leute, die sich sehr schnell Sorgen um andere machen. Ich verstehe das durchaus, aber meistens könnt ihr einfach nichts machen. Tut mir Leid, aber das ist einfach so. ICH (und vermutlich auch andere) brauchen diese „Auszeit“. Wo wir einfach nur in unsere Depression versinken können. Wo wir etwas brauchen, womit wir uns verstanden fühlen. Seien es Filme, Musik oder sonst was. Manchmal helfen Skills (Fähigkeiten, um negative Gefühle abzubauen, z.B. Eiswürfel kauen, kalt duschen, mit einem Gummiringerl aufs Handgelenk schnalzen etc – mehr dazu möchte ich sowieso noch schreiben) halt einfach nicht. Und das ist echt okay.

Ihr braucht euch nicht immer Sorgen machen. Das ist leichter gesagt als getan. Aber Kommentare wie „solltest du dir das grad wirklich anschauen/anhören?“ sind einfach unangebracht. Ich weiß genau was ich mir wann anschauen kann. Sich selbst in bestimmten Situationen zu triggern, um Schlimmeres zu verhindern oder um ‚runterzukommen, ist okay. Früher habe ich mir gern Bilder von Körpern angeschaut, die sich blutend geschnitten haben. Ich habe einen Extra-Ordner am PC dafür, ich habe eine Lesezeichenliste für solche Seiten. Mir hilft das, ob ihr „Gesunden“ das nun glauben wollt oder nicht. Manchmal hilft es einfach nur das Blut (an anderen) zu sehen. Das beruhigt.

Triggerwarnungen sind trotzdem notwendig, weil man sich nicht ständig mit allen möglichen Themen auseinandersetzen kann und will. Ich kann bestimmte Wörter nicht ertragen, bestimmte Lieder („Ave Maria“, „Enjoy the silence“ und „Sound of Silence“ [!!!] triggert mich wie sonst nix) und nicht immer habe ich Löffel (also Energie) für bestimmte Themen. Daher brauchen wir Triggerwarnungen sehr wohl. ABER ich weiß selber wann ich mit etwas umgehen kann und wann nicht. Und was mir in meiner Depression hilft. Was mich ‚rausholt.

Ich habe diese Tage alle paar Monate und ich werde sie weiterhin haben. Meistens geht es mir am nächsten Tag besser. Ich brauche keine belehrenden Kommentare was ICH mir da wieder zumute und ob ich mir das wirklich „antun“ will. Ja, danke, ich kenne mich sehr gut. Ich weiß am besten was ich brauche und was mir hilft. Lasst mich dann einfach in Ruhe.

We almost made it, but making it is overrated.

[Triggerwarnungen] Orange Is The New Black

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Ich habe beschlossen meine Liebe zu Serien in etwas Produktives zu verwandeln. Ich werde künftig vielleicht noch öfter Trigger-Listen für Serien erstellen, vorerst bleibt es ‚mal bei dieser. Wenn euch noch etwas auffällt, sagt mir gern Bescheid.

Größtenteils bleibt die Liste spoilerfrei, aber ganz geht das natürlich nicht. Je mehr Rufzeichen, desto triggernder.

Staffel 4

Folge 1: (Polizei)Gewalt, Menstruation, Mord (!!), Lied „Last Resort“
Folge 2: Rassismus, R*pe Talk
Folge 4: Lesbenfeindlichkeit, Obdachlosigkeit, R*pe Talk
Folge 5: Menstruation, Rassismus, Nationalismus (!)
Folge 6: Rassismus, Alkoholismus, Blut, N-Wort, R*pe (!!)
Folge 7: Nationalismus (!!), Schizophrenie (!!), Obdachlosigkeit, Fat-Shaming, Rassismus, Ableism, Polizeigewalt, Gewalt
Folge 8: B-Wort, SVV, Drogen, Rassismus, Gewalt
Folge 9: Drogen, Entzug (!), Gewalt
Folge 10: Drogen, Folter
Folge 11: Entzug, Gewalt, Sui*id, Rassismus, Schizophrenie, Homofeindlichkeit
Folge 12: Lesbenfeindlichkeit, Transfeindlichkeit (!!), Rassismus (!!), N-Wort, Sexismus, Gewalt, Mord (!!!)
Folge 13: Tod (!!)

Manchmal scheint die Sonne

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Ich wollte euch ein kleines Update zu meinem aktuellen Zustand geben. Ich bin wesentlich motivierter und besser drauf als noch vor einem Jahr. Natürlich habe ich immer wieder sehr schlechte Tage. Aber die guten Tage sind dann wenigstens meistens richtig gut!

Ich habe das erste Mal seit langem wieder Pläne und Ziele. Manche wahrscheinlich gut realisierbar und andere vielleicht nicht. Aber ich glaube, solche Ziele habe ich schon lang gebraucht. Weil mir mein Leben eigentlich ziemlich egal war und teilweise noch ist.

Ich habe einen Aufnahmetermin in der Reha bekommen. Ab dem 23. Mai bin ich also dort, für 6 Wochen. Ich habe mich für eine Reha entschieden, wo ich jeden Tag unter der Woche morgens hinkommen muss und wieder heim fahren kann. Ich denke, dass mir das noch genügend Freiheiten gibt und ich mich dadurch nicht fühle, als würde ich etwas von meinem Leben verpassen. :) Außerdem komme ich dadurch zu der Routine jeden Tag rauszugehen. Ich hoffe nur, dass ich das schaffe, denn ich darf nicht mehr als 3 Tage fehlen.

In der Reha gibt es Ergo-, Physio- und auch Gesprächstherapien. Einzel- und Gruppengespräche. Ich wurde in die Angstgruppe gesteckt, bin also mit Leuten zusammen, die ungefähr unter ähnlichen Symptomen „leiden“ wie ich. Die Angst (allein rauszugehen, Dinge zu erledigen, zu telefonieren, etc.) ist derzeit auch das größte Problem in meinem Leben. Ich bin sehr gespannt, aber natürlich auch aufgeregt und nervös. Ich hoffe, das Ganze kann mir zumindest ein wenig helfen. Gut ist auch, dass ich endlich „gezwungen“ bin ein Blutbild machen zu lassen. In der Zeit soll ich übrigens nicht zu meiner Therapeutin gehen, weil das „zu viel“ wäre. Alles klar.

Ich bin froh, dass die Reha so bald anfängt. Denn ich bin auch für ein Arbeitstraining (für psychisch Kranke) auf der Warteliste. Da sollte ich ungefähr im Herbst reinkommen. So geht sich alles ganz gut aus.

Ich habe zudem erkannt was mein wirklicher Traumberuf ist und schon immer war: Psychotherapeutin. Diesen würde ich im Laufe des Arbeitstrainings dann äußern und auch angehen wollen. Ich wollte jetzt schon ziemlich lang Sozialarbeiterin werden, aber ich glaube, das wollte ich nur machen, weil es einfacher zu erlernen/erreichen ist als das, was ich wirklich möchte. Meine Mutter hat mir mit 15 gesagt, dass ich meinen Traumberuf vergessen kann, weil ich selber „so gestört“ bin. Und ich habe mich eigentlich auch immer zu unfähig dafür gefühlt zu studieren. Jetzt müsste ich halt erstmal die Berufsmatura machen. Um dann endlich Psychologie studieren zu können. :) Es wird alles so ewig lang dauern, deswegen bin ich mir unsicher ob ich die Ausdauer dafür habe. Aber ich habe richtig Lust darauf zu lernen, sogar schon für die Matura. Und Psychologie ist etwas, was mich einfach nicht langweilen würde, denke ich. Zu 100% kann man das natürlich nicht sagen, aber: ICH HAB‘ SO BOCK DRAUF! Drückt mir die Daumen, dass alles klappt.

Und falls es doch nicht klappen oder das Richtige für mich sein sollte, dann ist das eben so. Die Berufsmatura allein würde mir schon viele Möglichkeiten bieten. Und wenn ich es auch nur eine Weile schaffe Psychologie zu studieren, dann habe ich ja trotzdem schon viel gelernt. Aber ich glaube, dass das das (!) ist, was ich schon immer werden wollte. Und immer sein möchte. Ich denke, ich kann das.